Gegen das Vergessen. Schülerinnen und Schüler bringen Stolpersteine zum Glänzen

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Schülerinnen und Schülern der Diakonischen Schulen Lobetal haben sich am 15. April in der Bodelschwinghstraße versammelt. Der Anlass: Heute werden wie jedes Jahr Stolpersteine zum Glänzen gebracht. Zwölf davon sind in Lobetal verlegt. Acht erinnern an Menschen mit jüdischen Wurzeln, vier nennen die Namen von Homosexuellen. Allen ist gemeinsam: Sie wurden in der Zeit des Nationalsozialismus umgebracht, genauer gesagt in den Jahren 1942 und 1943.

Ein ganzes Menschenleben liegt zwischen damals und heute. Stolpersteine halten die Erinnerung wach. An diesem Tag sind es die Schülerinnen und Schüler. Auf jedem Stolperstein stehen der Name, das Geburtsjahr und das Jahr der Ermordung. Die Schülerinnen und Schüler verlasen die Kurzbiografien der Opfer und legten an jedem Stein eine weiße Rose nieder.

Ich selbst bin nicht deutscher Herkunft…

Eine der Schülerinnen ist Lenais Terlunen. Sie ist 23 Jahre alt. Sie nimmt Eimer, zwei Putzlappen, Reinigungsmittel und streicht über einen der Steine. Der Stein ist verblasst, kaum noch sichtbar nach dem langen Winter. Langsam löst sich der dunkle Film. Sie poliert solange, bis der Stein wieder in der Sonne glänzt und der Name Dr. Ernst Rosenstern erscheint. Seine letzte Adresse war die Gartenstraße im Warschauer Ghetto.

Sie sagt: „Ich fühle schon eine Art Trauer, auch wenn ich den Menschen selbst ja nicht gekannt habe. Ich fühle mit, was sie erleben mussten. Schön, dass ich sie noch auf diese Weise ehren kann. Und ich bin froh, dass ich damals nicht leben musste. Ich bin ja selbst nicht deutscher Herkunft. Das geht mir sehr nahe.“

Es sind keine Schicksale. Es waren Menschen – mitten unter uns

Etwas weiter ist der Name Friedrich Paul Riemann eingraviert. Geboren 1896, ermordet 1942. Er hatte sogar noch im ersten Weltkrieg als Soldat für Deutschland, sein Vaterland, gedient. Doch das Vaterland hat es ihm nicht gedankt. Weil er homosexuell war, brachte man ihn in Plötzensee 1943 um. Er wurde 46 Jahre alt.

So erzählt jeder Stein eine traurige Geschichte, auch die von Ernst Simon Bischofswerder, dessen Vater Rechtsanwalt war und noch rechtzeitig in die USA emigrierte, die Mutter war Ärztin. Ernst Simon war geistig eingeschränkt, wurde 1937 in Lobetal aufgenommen. Im Juni 1942 schrieb er ein letztes Mal nach Hause. Auch die Spur seiner Mutter verlor sich in Auschwitz. Weitere Stolpersteine tragen die Namen von Nathan Dann, Meinhold Meyer, Ernst Hirning, Fritz Lemme, Ernst Flatow, Dr. Benno Bernstein, Arnold Kutznitzki, Hans Heinrich Festersen.

Bleibt im Angesicht von Unrecht nicht stumm

Der letzte Stolperstein liegt genau vor der Alten Schmiede. Es ist der von Dr. Hermann Feder. Auch er war eines der Opfer. Seit dem 9. Dezember 1940 lebte er in Lobetal. Zu diesem Zeitpunkt war er 58 Jahre alt. In Potsdam hatte er als Landgerichtsrat gearbeitet. In Lobetal als Gärtner. Sein Enkel steht neben dem Stein seines Großvaters. Er sagte: „Ich bin Martin Stoelzel, ein Enkel von Hermann Feder und Sohn seiner Tochter. Mein Großvater lebte dort oben in einem Zimmer unter dem Dach. Am 13. April wurde er ins Warschauer Ghetto deportiert. Im Mai 1942 schrieb er seinen letzten Brief. Er wurde 1943 für tot erklärt. Mich rührt das jedesmal, dass ihr bis heute das Andenken an all jene wachhaltet, die verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Ihr seid heute eine neue Generation, und ich danke allen, die hier in Lobetal ein Zeichen setzen. Diese Erinnerung soll bleiben. Und wenn ihr weitergeht, bleibt im Angesicht von Unrecht nicht stumm.“